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Menschen im Fokus

Kanada ist ein sehr dünn besiedeltes Land. Auf 35 Millionen Einwohner, was weniger als der Hälfte der Menschen in Deutschland entspricht, kommt die 27-fache Fläche Deutschlands.

Die meisten Menschen konzentrieren sich in den Ballungsräumen an der Grenze zu den USA, in Ontario und Québec im Osten sowie Vancouver, Calgary und Edmonton im Westen. Nach Norden nimmt die Bevölkerungsdichte immer weiter ab und vor allem große Teile der Arktis sind vollkommen unbesiedelt.

Kanada ist stolz auf diese Multikulturalität und die erfolgreiche Integration aller Verschiedenheiten zum friedlichen Zusammenleben in der kanadischen Gesellschaft. Man sieht sich als offen, kreativ und innovativ, und auch von außen werden Kanadier meist als überaus freundliches und aufgeschlossenes Volk wahrgenommen.

3,2 Mio. der 35,7 Mio. Kanadier haben deutsche Wurzeln

Knapp 3,2 Mio. der 35,7 Mio. Kanadier haben deutsche Wurzeln. Begonnen hat die deutsche Einwanderung nach Kanada vor etwa 300 Jahren. Rund 44% der Bevölkerung sind katholisch, 36% protestantisch, 3,5% orthodoxe Christen, 4,5% Muslime, 2,5% Juden, 2,3% Buddhisten und 2,2% Hindu und andere.

Besonders charakteristisch für Kanada ist sein Bilingualismus, der weit über die Sprache hinausgeht. Das französische Erbe bleibt an der Ostküste lebendig bestehen. Dennoch ist mehr als ein Drittel der Bevölkerung nicht britischer oder französischer Herkunft.

Die größten ethnischen Gruppen stammen aus europäischen Ländern wie Holland, Deutschland, Skandinavien, Italien und Portugal, aber auch aus der Karibik sowie Süd- und vor allem Ostasien, woher gerade in den letzten Jahren viele Einwanderer nach Kanada kamen, was gerade in Vancouver auffällig ist. Auch eine erstaunliche Zahl von 1,2 Millionen Menschen hat ukrainische Wurzeln. Nur noch 3,7% der kanadischen Bevölkerung sind heute noch mit indigener Herkunft registriert, aber ihre Rolle in der kanadischen Gesellschaft ist weiterhin von großer Bedeutung.

Indigene Bevölkerung

Die indigene Bevölkerung setzt sich aus drei Gruppen zusammen: den First Nations (Indianern), den Inuit (früher „Eskimos“ genannt) und den Métis (Nachfahren von Siedlern und Pelzhändlern, die mit First Nation Frauen eine Verbindung eingegangen waren).

First Nations, deutsch „die ersten Völker“, ist die politisch korrekte Bezeichnung für die Ureinwohner Kanadas. Mit eingeschlossen werden in diese Bezeichnung fehlerhafterweise meist die in der Arktis lebenden Inuit, und die Métis, Nachkommen von Cree und Europäern.

Seltenere Begriffe sind Natives oder Aboriginies. Gerade von den First Nations selber werden Sie auch das Wort „Indians“ hören, Indianer, das wegen seiner kolonialen Vergangenheit von Nicht-Indigenen aber oft als pejorativ angesehen wird. Benutzen Sie es daher besser nicht.

In Kanada gibt es rund 700.000 Menschen, die sich als indigen verstehen und sich in mehr als 600 verschiedene Stämme einteilen, die aufgrund der großen geografischen Verschiedenheiten und Entfernungen jeweils eine ganz eigene uralte Geschichte, Kultur und Sprache haben. Von den Cree im Osten und im Zentrum, über die Inuit im Norden bis zu den Cowichan von Vancouver Island gibt es hier eine unvergleichlich reiche kulturelle Vielfalt zu entdecken. Ein Paradies für jeden neugierigen Reisenden!

Die meisten First Nations sind unheimlich offene, lebensfrohe und warmherzige Menschen, die noch immer viel Wert darauf legen, ihre reiche Kultur wiederzubeleben und weiterzutragen. Nutzen Sie unbedingt die Gelegenheit, einmal ein Dorf oder eine Familie zu besuchen. Seien Sie respektvoll und dankbar und genießen Sie die Gastfreundschaft und den herzlichen Humor.

Die Elders, die Ältesten, sind die angesehensten Mitglieder der Gesellschaft, weil sie mit ihrem Wissen und ihrer Erfahrung das Überleben der Gemeinschaft garantieren. Mit etwas Glück erleben Sie einen traditionellen Tanz, hören Trommelgesang oder eine Geschichte von einem Ältesten. Vielleicht lernen Sie ja auch das eine oder andere Wort in der Stammessprache und können eine traditionelle Leckerei verkosten!

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Geschichte der Indigenen Bevölkerung

Leider haben die Ureinwohner Kanadas wie vielerorts auf der Welt auf eine traurige Vergangenheit zurückzublicken, deren Auswirkungen bis heute reichen. Ihre Unterdrückung ist bis heute ein schwarzer Fleck in der Geschichte Kanadas, den die nicht indigene Bevölkerung weiterhin versucht, auf verschiedene, mehr oder weniger erfolgreiche Arten wiedergutzumachen. Diese Zeit füllt Bücher, mit denen man sich lange beschäftigen kann. Dennoch ist es wichtig, wenigstens einen groben Überblick zu haben, und sich der Sensibilität dieses Themas bewusst zu sein.

Bis zum 19. Jahrhundert konnten die Ureinwohner von den eintreffenden Siedlern teils sogar noch profitieren, da diese mit ihnen Handel trieben. Zunehmend wurde die indigene Bevölkerung an den Handelsposten sesshaft, verbrachte jedoch immer noch den Großteil des Jahres „im Busch“ um ihre traditionelle, autarke Lebensweise beizubehalten.

Nach und nach wurden jedoch natürliche Grundlagen wie Wälder, Büffelherden und Fischbestände zunehmend zerstört. Die indigene Bevölkerung geriet in Abhängigkeiten. Auch Epidemien rafften die Bevölkerung hin. Dazu kam später die zwangsweise Assimilation. Sie gipfelte in der Auffassung der Siedler, vor allem der katholischen und anglikanischen Missionare, die Ureinwohner bekehren und an die eigenen Vorstellungen einer „gesitteten Lebensweise“ anpassen zu müssen.

Sie drängten die First Nations in Reservate und entrissen den Familien ihre Kinder. Sie wurden in sogenannte „Residential Schools“, internatartige Schulen, gebracht, in denen sie streng erzogen werden sollten. Die Eltern wurden überredet, eine Schulbildung sei gut für das Kind, wurden erpresst oder das Kind gewaltsam genommen. Den Kindern wurde verboten, ihre eigene Sprache zu sprechen oder ihre Kultur beizubehalten. Sie wurden fast alle schlecht behandelt, gewaltsam bestraft und nicht selten missbraucht. Viele Familien sahen ihre Kinder unbegründet nie wieder.

Die letzte Residential School wurde um 1880 geschlossen. Seitdem hat sich das Verhältnis zwischen „Weißen“ und indigener Bevölkerung verbessert. Es gab umstrittene Entschädigungszahlungen und Programme zur Besserung der Lebenssituation und Förderung der Jugend.

Auf jeden Fall ist den Völkern aber mindestens eine Generation abhandengekommen, die ihre Kultur und Sprache, ihre Identität weitertragen sollte. Noch immer sind mangelhafter Zugang zu Bildung und damit einhergehende Arbeits- und Perspektivlosigkeit, schlechte Gesundheit, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie Gewalt und Selbstmord ein großes Problem.

Die Wiedergewinnung natürlicher Ressourcen, bspw. der Regenwälder an der Westküste, kulturelle Initiativen wie Zusammenkünfte der Küsten-Salish und die unabhängige Ausbildung der Kinder, welche die Wiederbelebung der eigenen Sprache und traditionellen Lebensweise beinhaltet, spielen in Politik und Gesellschaft daher heute eine große Rolle.

Indigene Kunst, Musik, Literatur und Religion erfreuen sich einer Renaissance, politisch wird zunehmend die Selbstbestimmung angestrebt. Eine Brücke zwischen Tradition und Moderne zu schaffen stellt dabei noch eine neue Herausforderung dar.

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